Atelier für Sexualität
Psychoanalytische Paartherapie
Paarbeziehungen gehören zu den intimsten und zugleich komplexesten Räumen menschlicher Begegnung. Psychoanalytische Paartherapie lädt dazu ein, die feinen bewussten und unbewussten Bewegungen zwischen zwei Menschen gemeinsam zu verstehen – und daraus neue Möglichkeiten für Nähe, Verbundenheit und Beziehung entstehen zu lassen.
I. Therapeutisches Verständnis
In meiner forensischen Arbeit begegnet mir ein Gedanke immer wieder: das Locard’sche Prinzip, eines der grundlegenden Prinzipien der modernen Forensik. Es besagt, dass kein Kontakt ohne Spur bleibt – dass dort, wo zwei einander begegnen, beide etwas von sich im anderen hinterlassen und etwas vom anderen mit sich nehmen. Vielleicht gilt kaum etwas ebenso leise und zugleich so unerbittlich für die Liebe. Auch Menschen gehen aus einer wahrhaftigen Begegnung niemals ganz so hervor, wie sie in sie hineingegangen sind. Wir schreiben uns ein in die Geschichte des anderen – in unsere Wünsche und Ängste, in die Art, wie wir Nähe suchen, uns schützen, einander finden und manchmal verlieren. Manche dieser Spuren tragen uns, manche schmerzen, manche werden erst nach Jahren lesbar. Paartherapie kann ein Ort sein, an dem zwei Menschen beginnen, diese Spuren gemeinsam zu lesen – nicht, um das Gewesene ungeschehen zu machen, sondern um zu verstehen, was zwischen ihnen entstanden ist und was daraus noch werden kann.

Juliane Kröner
Psychoanalytische Paartherapie versteht die Paarbeziehung nicht als bloße Begegnung zweier Individuen, sondern als die Entstehung eines gemeinsamen psychischen Raumes, innerhalb dessen sich unbewusste Wünsche, Ängste, Objektbeziehungen, Konflikte und Beziehungserfahrungen in neuer Weise organisieren. Partnerschaften entwickeln im Verlauf ihrer gemeinsamen Geschichte eine eigenständige psychische Wirklichkeit, die sich weder aus der Persönlichkeit des einen noch des anderen Partners allein erschließen lässt, sondern erst aus der Dynamik ihrer wechselseitigen Beziehung.
Konflikte erscheinen aus psychoanalytischer Perspektive daher nicht ausschließlich als Ausdruck misslingender Kommunikation oder unvereinbarer Bedürfnisse. Sie verweisen häufig auf unbewusste Konfliktkonstellationen, projektive Prozesse, Wiederholungen früher Beziehungserfahrungen sowie auf den Versuch der Paarbeziehung, psychische Spannungen gemeinsam zu regulieren. Auch Liebe, sexuelles Begehren, Eifersucht, Enttäuschung, Rückzug oder Sprachlosigkeit erhalten ihre Bedeutung erst im Zusammenhang der individuellen und gemeinsamen psychischen Organisation des Paares.
Im Zentrum der Behandlung steht deshalb nicht die möglichst rasche Auflösung einzelner Konflikte, sondern deren psychoanalytische Rekonstruktion. Ziel ist es, die unbewussten Bedeutungszusammenhänge zu verstehen, innerhalb derer sich Beziehungsmuster, Affekte, Fantasien und wiederkehrende Interaktionsformen herausgebildet haben. Erst dort, wo das bislang Unverbundene, Unrepräsentierte oder wechselseitig Ausagierte verstehbar wird, kann sich die Paarbeziehung verändern.
II. Behandlungsfelder
Die psychoanalytische Paartherapie widmet sich der Rekonstruktion unbewusster Beziehungsdynamiken innerhalb partnerschaftlicher Beziehungen. Gegenstand der Behandlung sind Konflikte, Entwicklungskrisen und wiederkehrende Beziehungsmuster, deren Verständnis sich weder auf individuelles Erleben noch auf kommunikative Prozesse allein reduzieren lässt. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame psychische Organisation der Paarbeziehung, innerhalb derer Bindung, Sexualität, Nähe, Autonomie, Konflikte und gegenseitige Erwartungen ihre individuelle Bedeutung erhalten. Ziel der Behandlung ist die Entwicklung eines vertieften Verständnisses der gemeinsamen Beziehungsorganisation sowie die Eröffnung neuer Möglichkeiten gemeinsamen Denkens, Erlebens und Gestaltens von Partnerschaft.
01. Beziehung und Bindung
Wiederkehrende Beziehungskonflikte
Eskalierende Konfliktdynamiken
Kommunikationsstörungen
Sprachlosigkeit
Emotionaler Rückzug
Verlust emotionaler Nähe
Nähe-Distanz-Konflikte
Bindungsunsicherheit
Verlust von Vertrauen
Wiederkehrende Beziehungsmuster
Co-Abhängigkeit
Eifersucht
Kontroll- und Abhängigkeitsdynamiken
Ambivalenz in Partnerschaften
Trennungsgedanken
Trennungs- und Scheidungsbegleitung
02. Sexualität in der Paarbeziehung
Unterschiedliches sexuelles Begehren
Verlust sexueller Intimität
Sexuelle Unzufriedenheit
Sexuelle Funktionsstörungen innerhalb der Partnerschaft
Unterschiedliche sexuelle Präferenzstrukturen
Sexuelle Fantasien innerhalb der Partnerschaft
Konsens und persönliche Grenzen
Öffnung von Partnerschaften
Nicht-monogame Beziehungsmodelle
Polyamore Beziehungen
Untreue und Affären
Wiederaufbau sexueller Intimität
03. Konflikte und Kommunikation
Wiederkehrende Streitdynamiken
Eskalierende Konflikte
Konfliktvermeidung
Kommunikationsabbrüche
Vorwürfe und Kränkungen
Schwierigkeiten emotionaler Verständigung
Affektregulation in Partnerschaften
Versöhnungsprozesse
Entscheidungs- und Rollenkonflikte
Konflikte hinsichtlich Lebensentwürfen und Zukunftsplanung
04. Familien- und Herkunftsdynamiken
Herkunftsfamilien und Partnerschaft
Loyalitätskonflikte
Ablösungsprozesse
Generationenkonflikte
Grenzen gegenüber Herkunftsfamilien
Konflikte mit Schwiegerfamilien
Familiäre Rollenerwartungen
Transgenerationale Beziehungsmuster
Wiederholung familiärer Konfliktdynamiken
Bindungs- und Beziehungserfahrungen aus der Herkunftsfamilie
05. Vertrauen, Verletzung und Versöhnung
Vertrauensverlust
Wiederaufbau von Vertrauen
Vergebung und Versöhnung
Partnerschaft nach Untreue
Partnerschaft nach Grenzverletzungen
Wiederherstellung emotionaler Sicherheit
Enttäuschung und Kränkung
Eifersucht und Verlustängste
Misstrauen und Kontrollverhalten
Wiederannäherung nach Beziehungskrisen
06. Lebensphasen und Entwicklungsaufgaben
Beginn einer Partnerschaft
Zusammenziehen
Eheschließung
Kinderwunsch
Schwangerschaft
Elternschaft
Patchworkfamilien
Pflege von Angehörigen
Berufliche Belastungen
Wechseljahre
Ruhestand
Trennung
Verlust und Trauer
07. Psychische Erkrankungen und Partnerschaft
Depression
Angststörungen
Traumafolgestörungen
Persönlichkeitsstörungen
Borderline-Persönlichkeitsstörung
Narzisstische Persönlichkeitsorganisation
Zwangsstörungen
Suchterkrankungen
Neurodiversität
Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf Partnerschaften
08. Körper, Krankheit und Sexualität
Chronische Erkrankungen
Krebserkrankungen
Endometriose
Neurologische Erkrankungen
Körperliche Behinderungen
Sexualität nach medizinischen Eingriffen
Körperbild und Partnerschaft
Unerfüllter Kinderwunsch
Reproduktionsmedizinische Behandlungen
09. Besondere Beziehungskonstellationen
Interkulturelle Partnerschaften
Interreligiöse Partnerschaften
Fernbeziehungen
Partnerschaften mit erheblichem Altersunterschied
Patchworkfamilien
Stieffamiliensysteme
Offene Partnerschaften
Nicht-monogame Beziehungsmodelle
Polyamore Beziehungen
III. Aufnahme und Behandlungsbeginn
Die Aufnahme dient der gemeinsamen Klärung, ob eine psychoanalytische Paartherapie für Ihr Anliegen die geeignete Behandlungsform darstellt. Bereits die ersten Gespräche bilden den Beginn des therapeutischen Prozesses und ermöglichen eine erste Rekonstruktion der gemeinsamen Beziehungsorganisation sowie der individuellen psychischen Dynamiken beider Partner:innen. Ziel dieser Phase ist die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses der therapeutischen Fragestellung sowie die Prüfung, welche therapeutischen Ziele sich aus der spezifischen Dynamik der Paarbeziehung ergeben.
Der therapeutische Aufnahmeprozess
01. Kontaktaufnahme
Kontaktaufnahme per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung des Anliegens sowie der aktuellen Fragestellung.
02. Erstgespräch
Erste therapeutische Orientierung, gegenseitiges Kennenlernen sowie gemeinsame Klärung des therapeutischen Auftrags.
03. Paaranamnese und Diagnostik
Erhebung der gemeinsamen Beziehungsgeschichte sowie der individuellen biographischen, psychodynamischen und partnerschaftlichen Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen die Rekonstruktion der gemeinsamen Beziehungsorganisation, wiederkehrender Konfliktdynamiken sowie unbewusster Beziehungsmuster.
04. Gemeinsame Indikationsstellung
Prüfung, ob eine psychoanalytische Paartherapie die geeignete Behandlungsform darstellt, sowie Festlegung der therapeutischen Zielsetzung und des Behandlungsauftrags.
05. Probatorische Sitzungen
Entwicklung eines tragfähigen therapeutischen Arbeitsbündnisses sowie weitere Rekonstruktion der individuellen und gemeinsamen psychischen Dynamik der Paarbeziehung.
06. Beginn der Behandlung
Aufnahme der psychoanalytischen Paartherapie.
IV. Behandlungsrahmen
Der therapeutische Rahmen bildet die Grundlage einer vertrauensvollen, verlässlichen und professionellen Zusammenarbeit. Transparenz hinsichtlich der organisatorischen, rechtlichen und therapeutischen Rahmenbedingungen schafft einen geschützten Behandlungsraum und gewährleistet die Kontinuität des therapeutischen Prozesses.
01. Frequenz
Die Häufigkeit der Sitzungen richtet sich nach Ihrem individuellen therapeutischen Anliegen sowie den gemeinsam vereinbarten Behandlungszielen. Umfang und Frequenz werden im Rahmen der Indikationsstellung individuell festgelegt und können im Verlauf der Behandlung angepasst werden.
02. Dauer
Einzelsitzung: 50 Minuten
Paarsitzung: 90 Minuten
03. Präsenz- und Online-Therapie
Die Behandlung kann nach gemeinsamer Absprache sowohl in Präsenz als auch online erfolgen. Welche Behandlungsform im Einzelfall sinnvoll ist, richtet sich nach dem therapeutischen Anliegen, den organisatorischen Möglichkeiten sowie den fachlichen Erfordernissen der Behandlung.
04. Schweigepflicht
Die therapeutische Behandlung unterliegt der gesetzlichen Schweigepflicht. Sämtliche im Rahmen der Behandlung erhobenen oder mitgeteilten Informationen werden streng vertraulich behandelt. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt ausschließlich auf Grundlage einer ausdrücklichen schriftlichen Einwilligung oder einer gesetzlichen Verpflichtung. Gesetzlich vorgesehene Ausnahmen bestehen insbesondere bei einer akuten Eigen- oder Fremdgefährdung sowie in weiteren gesetzlich geregelten Offenbarungspflichten.
05. Behandlungsvertrag
Vor Beginn der Behandlung werden die wesentlichen therapeutischen, organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen in einem schriftlichen Behandlungsvertrag festgehalten. Dieser regelt insbesondere den Behandlungsauftrag, Honorar, Terminvereinbarungen, Ausfallhonorare sowie die gegenseitigen Rechte und Pflichten während der therapeutischen Zusammenarbeit.
06. Honorar
Die Praxis wird als Privatpraxis geführt. Die Behandlung erfolgt auf Selbstzahlerbasis.
Einzelsitzung (50 Minuten): 150 €
Paarsitzung (90 Minuten): 200 €
07. Sprache
Die therapeutische Behandlung kann sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache erfolgen. Die Wahl der Behandlungssprache richtet sich nach den individuellen sprachlichen Voraussetzungen sowie den Erfordernissen des therapeutischen Prozesses.
08. Terminabsagen
Vereinbarte Termine sind verbindlich. Einzelheiten zu Terminabsagen sowie einem möglichen Ausfallhonorar sind im Behandlungsvertrag geregelt.
09. Datenschutz
Der Schutz personenbezogener Daten sowie der vertrauliche Umgang mit sämtlichen Behandlungsinformationen besitzen höchste Priorität. Die Verarbeitung personenbezogener Daten erfolgt ausschließlich auf Grundlage der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), der einschlägigen berufsrechtlichen Vorschriften sowie der geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen für heilkundliche Praxen. Personenbezogene Daten und Behandlungsunterlagen werden ausschließlich zweckgebunden verarbeitet, vertraulich aufbewahrt und durch geeignete technische und organisatorische Maßnahmen vor unbefugtem Zugriff geschützt. Nähere Informationen zum Umgang mit personenbezogenen Daten sind der Datenschutzerklärung zu entnehmen.
V. Qualitätssicherung
Die Qualität therapeutischer Arbeit beruht nicht allein auf fachlicher Qualifikation, sondern auf der kontinuierlichen Reflexion der eigenen Tätigkeit, wissenschaftlicher Fortbildung und der kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen in Forschung und klinischer Praxis. Qualitätssicherung wird deshalb als fortlaufender professioneller Prozess verstanden, der therapeutisches Handeln, wissenschaftliche Erkenntnisse und ethische Verantwortung miteinander verbindet.
01. Wissenschaftliche Fortbildung
Die kontinuierliche Teilnahme an wissenschaftlichen Fortbildungen, Fachkongressen und interdisziplinären Weiterbildungsformaten gewährleistet die fortlaufende Aktualisierung therapeutischer, sexualwissenschaftlicher und forensischer Fachkenntnisse und bildet die Grundlage einer leitlinienorientierten, evidenzbasierten und am aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand ausgerichteten Behandlung.
02. Wissenschaftliche Tätigkeit
Die therapeutische Arbeit steht in engem Austausch mit wissenschaftlicher Forschung. Aktuelle Erkenntnisse aus Psychoanalyse, Sexualwissenschaft, Psychotherapie, Kriminologie und Investigative Psychology fließen fortlaufend in die klinische Arbeit ein.
03. Fachgesellschaften und wissenschaftliche Netzwerke
Die Mitgliedschaft in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaften sowie der kontinuierliche fachliche Austausch mit Kolleg:innen unterschiedlicher Disziplinen fördern wissenschaftliche Qualität, methodische Reflexion und interdisziplinäre Perspektiven.
04. Supervision, Intervision und Selbstreflexion
Professionelle therapeutische Arbeit setzt die kontinuierliche Reflexion des eigenen Handelns voraus. Regelmäßige Supervision, strukturierte Intervision sowie die fortlaufende Selbstreflexion gewährleisten die kritische Überprüfung diagnostischer und therapeutischer Entscheidungen, fördern die Weiterentwicklung der therapeutischen Kompetenz und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung klinischer Praxis.
05. Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Komplexe sexualtherapeutische und forensische Fragestellungen erfordern häufig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachdisziplinen. Im Interesse einer umfassenden diagnostischen und therapeutischen Versorgung wird daher der Aufbau eines vertrauensvollen interdisziplinären Kooperationsnetzwerks mit spezialisierten Einrichtungen und Kolleg:innen unterschiedlicher Professionen angestrebt. Je nach Fragestellung kann eine Zusammenarbeit insbesondere mit Universitätskliniken, Hochschulambulanzen, niedergelassenen Psychiater:innen, Sexualmediziner:innen, Urolog:innen, Gynäkolog:innen, Infektiolog:innen, Rechtsanwält:innen sowie Veterinärmediziner:innen erfolgen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfolgt ausschließlich im Einvernehmen mit den Patient:innen sowie unter Beachtung der gesetzlichen Schweigepflicht.
06. Evidenzorientierung und theoretische Reflexion
Therapeutische Entscheidungen orientieren sich an wissenschaftlicher Evidenz, klinischer Erfahrung sowie einer theoriegeleiteten psychodynamischen Fallkonzeption. Unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven werden kritisch geprüft und entsprechend ihrer jeweiligen Aussagekraft in den therapeutischen Prozess integriert.
07. Ethische Verantwortung
Die therapeutische Arbeit orientiert sich an den geltenden berufsrechtlichen, psychotherapeutischen und wissenschaftsethischen Standards. Der Schutz der Würde, Autonomie und sexuellen Selbstbestimmung der Patient:innen bildet die Grundlage sämtlicher therapeutischer Entscheidungen.

